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Die Geschichte des Eurasiers 

 

  

Gründer dieser neuen, längst noch nicht fertigen Rasse war Julius Wipfel. Nach dem Krieg übernahm er aus dem Tierheim einen von kanadischen Truppen zurückgelassenen Hund, der stark einem Schlittenhund ähnelte. Dieser Hund, genannt „Kanadier“, war sehr intelligent, wachsam, nicht leicht erziehbar, bewies sich aber als sehr geduldiger und treuer Hund.

 

Nach dessen Tod, Mitte der fünfziger Jahre, suchte Wipfel einen Ersatz für seinen „Kanadier“ und nahm die Wolfsspitzhündin „Bella von der Waldmühle“ auf. Wipfel schätzte zwar ihre angenehmen Eigenschaften, doch es fehlte ihm die Herausforderung mit der eigenwilligen Persönlichkeit seines „Kanadiers“. Familie Wipfel entschloss sich selbst einen Hund zu züchten, dessen Eigenschaften denen ihres Kanadiers nahe kommen sollten. Es sollte ein ursprünglicher Hund mit Bereitschaft zur Anpassung und den sozialen Fähigkeiten seiner Urahnen, der Wölfe, werden. Wipfel, mittlerweile im Spitzclub sehr aktiv, stieß eines Tages auf Literatur von Konrad Lorenz und dessen Beschreibung seines Chow-Schäferhund-Mischlings „Stasi“ (So kam der Mensch zum Hund). Fasziniert von der Charakterbeschreibung „Stasi´s“ wandte er sich dem Chow-Chow zu. Diese Rasse interessierte ihn so sehr, dass er sich zum Spezialzuchtrichter ausbilden ließ. Die Suche nach einem geeigneten Deckrüden für seine Wolfsspitzhündin war damit beendet.

 

Wipfels Ziel war es, durch die Verpaarung zweier uralter Spitzrassen (Chow-Chow und Wolfsspitz) die besten Eigenschaften dieser nordischen Charaktere zusammenzubringen. Der Wolfsspitz ist eine der ältesten Rassen Europas, dessen Wurzeln direkt auf den Torfspitz hinweisen. Bei ihm kennt man kaum Degenerationserscheinungen und er zählt zu den erbgesundesten Hunden unserer Zeit. Seine Aufmerksamkeit, Intelligenz, sein Temperament, seine Robustheit, Gesundheit, Anhänglichkeit und nicht verkläffte Art sollten mit dem eigenwilligen, familienfreundlichen, kompromisslosem und Fremden gegenüber zurückhaltendem Wesen des Chow´s zusammenfließen. Dieser Plan vom „treuen Polarhund“ ging auch auf. Zwar hätte Wipfel lieber einen Samojeden an Stelle des Chow´s genommen, aber damals gab es diese Rasse in Deutschland nicht.

 

Im Jahr 1960 fiel der erste Wurf „Wolf-Chow´s“aus der Verpaarung von Bella von der Waldmühle (Wolfsspitz) mit Arroco vom Felsensteig (Chow-Chow).

 

Asta von der Bergstraße, eine Tochter aus diesem Wurf, kam später auf dem Mittelberg zu Frau Charlotte Baldamus und wurde damit Stammmuter des Zwingers vom Jägerhof. Ebenfalls im Jahr 1960 gründete Wipfel zur Förderung der neuen Rasse die „Kynologische Zuchtgemeinschaft für Wolf-Chow-Polarhunde“, welche 1966 im Vereinsregister des Amtsgerichts Weinheim eingetragen wurde, aber später von Wipfel in Eurasier-Club e.V., Weinheim umbenannt wurde.

 

Zwischen Julius Wipfel und Frau Baldamus begann eine züchterische Zusammenarbeit. Am Anfang standen ihnen dazu eine Wolfsspitzhündin (Bella), ihre 3 Wolf-Chow-Töchter und 3 Chowrüden (2 rote, 1 schwarzer) zur Verfügung.
Frau Baldamus verfügte über einen großen Erfahrungsschatz aus der Geflügelzucht und setzte, mit sicherem Blick für den Zuchtwert eines Tieres, die geeigneten Hunde zur Weiterzucht des Eurasiers ein.

 

Der B-Wurf vom Jägerhof (17.12.1961) ist von allen Ursprungsverpaarungen als wichtigster Wurf in der Eurasiergeschichte anzusehen. Die Geschwister Brumbo und Berit vom Jägerhof wurden die Stammeltern vieler Eurasierzwinger. Es gibt heute kaum einen echten Eurasier, der kein Jägerhofblut führt. Weil Wipfel von Anfang an nicht einen bestimmten Farbschlag anstrebte und immer wieder die Vermischung verschiedener Farbschläge erlaubte, wurde die Genbasis nicht zersplittert. Dies geschieht leider bei anderen Rassen zu oft, wenn auf eine bestimmte Farbe hin gezüchtet wird.

 

Während Wipfel zunächst eine breite Zuchtbasis ins Auge fasste, ließ er sich von Frau Baldamus überzeugen, dass gekonnte Inzestzucht mit strenger Selektion die günstigere Methode für die Zucht einer kleinen Gruppe wäre. Zumal es zur damaligen Zeit auch nicht genug Abnehmer der vielen Ableger einer breit angelegten Zucht gegeben hätte.

 

Obwohl man zunächst durch die Inzestzucht der Typenvielfalt entgegenwirken und eine Verfestigung des Rassetyps erreichen konnte, verloren die Tiere im Laufe dieser Zucht an Vitalität. Am Anfang einer Rasseentwicklung ist es unumgänglich durch Inzestzucht erwünschte Merkmale zu festigen bzw. Fehler früh zu erkennen. Im weiteren Zuchtverlauf ist es jedoch wichtig die Zuchtbasis zu erweitern.

 

Droll vom Jägerhof wurde wegen seiner rassetypischen Erscheinung mit wenigen Ausnahmen als einziger Deckrüde benutzt (51 direkte Nachkommen, 156 Enkel). Die hohe Inzuchtbelastung ergab Fehlverhalten, Tot- und Missgeburten und wirkte sich insgesamt auf die Fruchtbarkeit aus. Über 90 % der verfügbaren Zuchttiere trugen Jägerhofblut.
1972 konnte Wipfel endlich seinen Plan verwirklichen und setzte erstmals einen Samojeden in der Zucht ein.

 

Ebenfalls im Jahr 1972 holte sich Konrad Lorenz auf dem Jägerhof „Nanette“, genannt „Babett“, zu sich. Für ihn war es die charakterlich bestveranlagteste Hündin, die er je besessen hatte. In einem Brief vom 27.10.1972 schwärmte er Julius Wipfel vor: „Die kleine Babett ist so entzückend, dass ich es nicht bereue, sie genommen zu haben. Ihr Charakter und ihre Intelligenz sind einfach einmalig. Das macht den dicken Popo vergessen.“
Er wurde Ehrenmitglied in der Zuchtgemeinschaft für Eurasier e.V. (ZG) und teilte Frau Baldamus in ihrem langjährigen Briefwechsel mit, dass ein Schuss Husky-Blut der Rasse gut tun könne, besonders deshalb, weil ihn Babettes Po nicht ernsthaft genug für einen Hund erschien, der vorne einem Wolf ähnelt.

 

1972 verpaarte man dann zum ersten Mal eine rote Chow-Hündin mit einem Wolfsspitzrüden. Im gleichen Jahr wurde der Samojedenrüde Cito vom Pol (alias Orion von der Bergstraße) in der Zucht eingesetzt. Es folgten verschiedene Verpaarungen dieser neuen Linien. Die Inzuchtbelastung wurde dadurch gesenkt. 1973 erhielt die Rasse den Namen „Eurasier“ und wurde im VDH aufgenommen. Allerdings wurden durch die erweiterte Genbasis wiederum Selektions- und Testphasen nötig, welche bis heute andauern. Sich daraus ergebende Streitigkeiten im weiteren Zuchtgeschehen (Farbenvielfalt, Weißfärbungen etc.) und das Auftreten von Hüftgelenksdysplasie (HD) führte zur Trennung von Julius Wipfel und Frau Baldamus. Obwohl die Jägerhoftiere nicht von HD betroffen waren, wurde sie mit Zuchtverbot belegt. Mit der Unterstützung von Dr. Werner Schmidt gründete sie 1973 die Zuchtgemeinschaft für Eurasier (ZG). Julius Wipfel gründete den Eurasier-Klub e.V, Sitz Weinheim (zuvor Kynologische Zuchtgemeinschaft für Wolf-Chow-Polarhunde), den er ebenfalls wieder verließ, um 1978 einen neuen dritten Verein „Kynologische Zuchtgemeinschaft e.V. (KZG) zu gründen. Nach zehn Jahren gab es abermals Meinungsverschiedenheiten im Verein und Wipfel gründete 1988 einen vierten Verein, den „Internationalen Eurasier-Club, Weinheim“, der 1990 nur vorübergehend im VDH aufgenommen wurde. Wegen zu geringer Zuchtbasis musste dieser Verein allerdings wieder dort ausscheiden. Der Verein löste sich auf und die Mitglieder schlossen sich den anderen drei Vereinen an. Wipfel beobachtete vereinslos das weitere Zuchtgeschehen vom Rande aus. Alle der derzeit aktiven drei Vereine sind im VDH aufgenommen.

 

Im Laufe der Zeit fanden sich diese Vereine wieder zusammen. Es gibt gemeinsame Spaziergänge, Treffen, Symposien und sonstige Veranstaltungen. Mal ist man enger, mal distanzierter. Jedenfalls können Sie wieder miteinander sprechen und Zuchttiere austauschen, was der Zuchtbreite nur entgegenkommt.

 

Der Eurasier wird nach anspruchsvollen und tiergerechten Qualitätsanforderungen gezüchtet. Die Eltern sind veterinärmedizinisch auf Hüftgelenksdysplasie, Patellaluxation und Augenerkrankungen untersucht. Die Zuchttauglichkeit wird durch Körmeister oder Zuchtrichter festgestellt. Die Verpaarung erfolgt auf der Basis wissenschaftlich fundierter Zuchtwertschätzung mit dem Ziel gesunde, robuste und wesensfeste Eurasier zu züchten. Aufzuchtstätten und Aufzucht werden durch gut ausgebildete Zuchtwarte kontrolliert. Die Welpen werden im Kreise der Familie aufgezogen und so frühzeitig und liebevoll auf den Menschen und seine Umwelt geprägt.

 

Unbedingte Vorsicht ist geboten bei Eurasier-Angeboten in Zeitschriften und sonstigen Medien. Ohne VDH-Kennung handelt es sich in der Regel um Eurasier-Mischlinge oder Eurasier aus nicht kontrollierten Wildzuchten, wobei weder Rassenreinheit noch besondere Zuchtsorgfalt die Regel sind! Das Verhalten solcher Tiere hat mit dem des Eurasiers meist wenig gemeinsam.

 

 

Quellen:

Eurasier-Info, Ursprung und Geschichte, Alfred Müller 2003) – Ausführliche Eurasiergeschichte, sehr empfehlenswert !!!! Zu finden unter 10 Fragen - 10 Antworten, unter Punkt 1.

 

Eurasiergeschichte 

 

Literatur: Eurasier – Heute, von Annelie Feder u.a., Kynos-Verlag